Du wohnst seit kurzem in Berlin und hast bereits mit vielen renommierten Labels wie Mule, Wave Music und Freerange zusammengearbeitet. Deine letzte Veröffentlichung „Found A Place“ schlägt in Deutschland ein wie eine Bombe. Hast du in Berlin deinen Platz gefunden?
Ich bin ja erst seit einem Monat hier, aber Berlin fühlt sich schon sehr nach einem Zuhause an. Vor allem im Hinblick auf die Musik. Für mich ist die Stadt mehr als alles andere eine Homebase, von der aus ich mit den verschiedensten Musikern aus aller Welt zusammen arbeiten kann. Mir gefällt das Bohème-Gefühl der Stadt und die Freiräume. Damit meine ich nicht nur die Musik. Die Stadt erfüllt mich kulturell in vielerlei Hinsicht: Durch Kunst, Mode und das Gefühl, hier frei denken zu können.
Wie wichtig ist es dir vor Ort in einem Netzwerk von Musikern eingebunden zu sein?
Dass ich jetzt in Berlin bin, ist auf jeden Fall wichtig. Es hat meiner Kariere einen Kickstart verpasst. Es gibt hier einfach die besten Clubs und die besten Musiker der Welt. Wie sagt man so schön: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg.“ Es hat absolut Sinn gemacht, hierher zu kommen.
Denkst du, dass die Stadt deine Musik beeinflussen kann?
Möglicherweise… Mehr als die Stadt beeinflussen mich die Menschen, von denen ich umgeben bin. Momentan mixe ich mit einigen Jungs aus Detroit, die hier schon länger leben. Meine Musik ist definitiv von Detroit beeinflusst. Vielleicht kann man sagen, dass sie wie ein Detroit-Sound der Zukunft klingt.
Wie kam deine Veröffentlichung bei dem Berghain-Label Ostgut zustande?
Ich war bereits vor der Veröffentlichung mit Len Faki befreundet. Ich war schon immer ein großer Fan von seiner Musik und hatte ihn dann kontaktiert. Er hatte mitbekommen, dass ich Tracks bei Wave Music veröffentlicht habe, zu denen er auch eine Kritik geschrieben hat. Danach hat er mir das Angebot gemacht, eine Platte auf seinem Label Len Series zu veröffentlichen, was ich im September gemacht habe. Der Track kam im Berliner Umfeld von Len gut an. Was für mich natürlich toll war.
Daraus entwickelte sich eine Freundschaft zu Len und ein intensiverer Kontakt zur Berliner Szene. Irgendwann hat er mir dann erzählt, dass er die nächste Berghain-Compilation mixt und mich gefragt, ob ich einen Track dazusteuern möchte. Er hat sich für„Found A Place“ entschieden. Den Track hatte ich nach einer schwierigen Zeit in Barcelona geschrieben. Ich war für kurze Zeit ohne feste Unterkunft. Als ich dann glücklicherweise wieder eine Wohnung gefunden hatte, schrieb ich den Track. Ich war sehr überrascht, dass sich Len den Song ausgesucht hat, da die Compilation zu 80-90 % aus Techno-Stücken besteht. „Found A Place“ klingt eher wie ein House-Track aus den 90ern. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat.
Auf welchen deiner Tracks bist du besonders stolz, welcher bedeutet dir persönlich am meisten?
Einer meiner persönlich wichtigsten Tracks ist ein Remix, den ich für jemanden aus Japan gemacht habe: Kuniyuki Takahashi, dessen Musik ich sehr liebe. Er schreibt Tracks für ein Label aus Tokio, Mule Musiq, bei dem ich auch veröffentlicht habe. Als mich der Label- Besitzer fragte, ob ich einen Kuniyuki-Track mixen möchte, konnte ich es erst nicht glauben und hätte fast einen Herzinfarkt bekommen… Es war nicht einfach, den Track „Birds“ zu mixen, denn ich stand unter Druck, weil ich mich so geehrt fühlte. Als ich realisierte, dass der Track auf einer Compilation neben so großen Namen wie Henrik Schwarz erscheint, war der Druck natürlich noch größer. Aber selbstredend auch die Freude.
Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten? Und warum?
Mit Theo Parrish. Meiner Meinung nach ist die europäische elektronische Musik, die in den letzten acht bis zehn Jahren erschienen ist, stark von Theo Parrish beeinflusst. Gewissermaßen eine Fortführung seines Sounds mit europäischen Elementen. Er gehört neben Ron Trent und Kerri Chandler zu den Musikern, die mich am meisten beeinflusst haben. Aber im Moment arbeite ich mit so unglaublich tollen Menschen, dass ich in der Hinsicht sehr zufrieden bin.
Welche Musik hat dich geprägt?
Die Musik, die mich geprägt hat, ist Soul und Hip Hop; eigentlich aber jede Musik, jeder Sound… Ich habe Musik immer geliebt und studiert. Ich wollte meine Musik beitragen, weil ich das Gefühl hatte, etwas zurück geben, und etwas Individuelles ausdrücken, zu können.
Welchen Ratschlag würdest du jungen Künstler geben, welche Fehler sollten sie vermeiden?
Macht eure Hausaufgaben. Man muss sich Zeit nehmen zuzuhören. Nehmt euch die Zeit, vielen verschiedenen Musikstilen zuzuhören und bleibt offen für alles. Guckt euch Kunstwerke an, alles was einen inspirieren kann. Und unterschreibt nicht den ersten Plattenvertrag, den ihr angeboten bekommt. Egal wie groß und erfolgreich das Label ist. Gebt eure Musik nicht kostenlos her. Seid so unabhängig wie nur möglich. Macht selber, was ihr selber machen könnt, damit ihr und eure Musik keinem anderen gehört.
In Berlin hört man nach minimalen Jahren wieder vermehrt Disco und House in den Clubs. Denkst du, dass der Trend deiner Musik mehr Aufmerksamkeit schenkt?
Sicherlich. Ich hoffe wirklich, dass es mit Minimal nun vorbei ist. Minimal hat der Musik die Seele und die Kreativität geraubt. Fast jeder, der ein billiges Musikprogramm besitzt, konnte ein „Plink Plonk Plink Plonk…“ komponieren. Zusätzlich musste man sich nur noch die Haare asymmetrisch schneiden und enge Jeans anziehen….. das reichte manchmal aus, um einen Hit zu haben. Bei vielen fehlt mir der eigene Stil. Ich kann da nur sagen: „Don´t try to be fucking popular!“ Achtet mehr auf die Musik.
Du bist Produzent und legst nun auch regelmäßig im DJ-Olymp Berghain auf. Alles im allen ist deine DJ-Präsenz eher zurückhaltend. Wie kommt das, das man dich nicht regelmäßiger hinter den Plattentellern sieht?
Du musst ein guter DJ sein, um zu verstehen, was Leute wirklich zum Tanzen bringt. Aber ich bin einfach glücklich damit, zu Hause im Studio zu sein. Ich bin ein Mensch, der sich gerne zurückzieht. Ich bin gerne mit Musik alleine in meiner Wohnung. So war das immer schon. Aber natürlich lege ich auch auf. Nicht zuletzt, um mein Essen auf den Tisch zu bekommen. Von Plattenveröffentlichungen allein lässt es sich schlecht leben.
Gutes Stichwort. Du bist 37 Jahre alt. Machst du dir manchmal Gedanken, was in den nächsten Jahren aus dir wird?
Ach, Scheiß drauf. Ich sehe immer noch gut aus! (lacht). Es gibt genug DJs und Produzenten, die um die 40 Jahre und aufwärts sind und immer noch rocken. Die eine unglaubliche Energie haben, wenn sie in den Clubs unterwegs sind. Ich für meinen Teil werde in Clubs gehen, solange es sie gibt. Außerdem muss ich was Kreatives machen, sonst kann ich gleich aus dem Fenster springen. Was ist das Leben ohne ein bisschen Risiko?
Foto: Tina Linster
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