Interview mit Little Boots

Category: Music
Interview mit Little Boots

Wir haben Victoria Christina Hesketh alias Little Boots beim vergangenen Frequency Festival in St. Pölten zum Interview getroffen.

Euer neues Album wirkt bunt zusammengewürfelt oder täuscht mich mein Eindruck?
Einige der Songs sind wirklich alt, andere sind sehr neu. Ich glaube, es ist eine gute Mischung aus Superpop und Dance. Vielleicht ist er für einige etwas seltsam, aber ich denke, es ist eine gute Mischung für jedermann. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden.

Sprechen wir über die Singles: Hast du selbst ausgesucht, welche ausgekoppelt werden.
Es ist eine gemeinsame und schwere Entscheidung, da jeder eine andere Meinung hat. Aber letztendlich habe ich dann “ja” oder “nein” gesagt, ich bin habe hauptsächlich entschieden.

Viele der Remixe sind Elektro-lastig. Hast du selbst bestimmt, wer für dich remixt?
Ja, aber es ist schwerig, weil es so viele Remixe gibt. Die Leute machen ihre eigenen Remixe und ich bin nicht immer und überall eingeweiht. Aber wenn es eine neue Single gibt, sage ich auf jeden Fall: “Was ist mit dem Typen?” oder “Laden wir doch den Typen ein!”, “Ich mag diesen, den anderen mag ich nicht…” und so weiter. Ich bin definitiv am Ball, aber ich kann unmöglich alle berücksichtigen, dafür gibt es einfach zu viele.

Die Single “New in Town” erschien in verschiedenen Varianten. Es gab eine Vinyl-Platte mit anderen Remixen als auf der CD, außerdem eine One-Track-Single. Wieso so viele Ausführungen?
Die Sache ist die: Wenn du Remixe machst, dann sind die Typen, die sie mixen und benutzen, DJs. Die brauchen Mixes auf Vinyl. Wenn du also die CD kaufst, willst du wahrscheinlich nur den einen Song. Deshalb haben wir den einen Song auf eine CD gepackt, damit die Leute ihn günstig kaufen können. Wenn man ein Paket kauft, bekommt man natürlich alles zusammen. Die meisten gehen aber in den Laden und wollen nur diesen einen Song, also sollen sie ihn auch für wenig Geld kriegen. Dann gibt es da auch noch die DJs, die Vinyl sammeln oder einfach im Club spielen wollen. Ich will alle glücklich machen.

Es ist eher die Ausnahme, dass Frauen elektronische Musik machen. Wann hast du gewusst, dass Synthesizer genau dein Ding sind?
Ich habe bereits in sehr jungem Alter Piano gespielt, damals war ich fünf. Als Teenager waren meine Freunde in Gitarrenbands und alle standen auf Gruppen wie Pink Floyd oder Yes. Ich hab mir damals eine eine Liveshow von Yes angeschaut und bemerkt, dass sie mit einem Keyboard synthetisieren. “Cool, das kann ich auch, aber was ist dieses Synthesizer-Ding?”, dachte ich. Also habe ich mir einen gekauft. Ich konnte ihn spielen, aber er hat diese komischen, unbekannten Geräusche gemacht, es war aufregend!

Aber ist dir bewusst, dass du die Traumfrau eines jeden Elektro-liebenden DJs bist? Wie du da auf der Bühne stehst, mit all deiner Ausrüstung…?
Ich weiß nicht… Ich glaube nicht, dass das so ist. Es ist sexistisch, wenn die Leute glauben, dass Mädchen nur Sängerinnen sein sollten. Dort sind sie hübsch anzusehen, aber das Gehirn der Band ist der Mann im Studio mit seinem Keyboard und den ganzen Knöpfen. Das ist ein blödes Vorurteil, ein Ruf, den ich versuche zu brechen. Man kann sehr wohl in einem hübschen Kleid auf der Bühne stehen und die eigenen Songs singen, und zusätzlich noch hinter den Kulissen die Fäden ziehen.

Was hörst du momentan für Musik?
Im Moment gibt es diese schwedische Band namens Miike Snow. Ich mag außerdem The Actfacts, das ist eine neue, englische Band. Ansonsten Jodi Mitchell und ziemlich viele alte italienische Discotracks. Ich versuche ein Raster fürs DJing zu finden, wahrscheinlich so etwas wie Britney Spears

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Du bist gerade auf einer langen Tournee.
Stimmt, wir geben gerade sehr viele Konzerte. Wir werden bis Ende des Jahres auf Achse sein, dann gehe ich nach Amerika, um die Veröffentlichung des neuen Albums richtig zu promoten. Nebenbei arbeite ich noch am Soundtrack zu einem Film und anderen Projekten, vielleicht ein Buch. Ich wurde sogar gefragt, ob ich in einem Film mitspielen will. Wenn das alles vorbei ist, werde ich wieder für das nächste Album schreiben. Das alles wird aber nicht vor nächstem Jahr passieren.

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